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Mehr über unsere Methodologie

Das Autorenteam der Lebensgeschichten und Interviews, die auf dieser Webseite veröffentlicht werden, arbeitet vor allem mit der Methode der Oral History, die es ermöglicht, „ein Bild von der (menschlichen) Vergangenheit, das mit eigenen Worten beschreiben wird“[1] erklingen zu lassen. Während der Systemveränderungen, die sich in der jüngsten Vergangenheit in der Tschechischen Republik zugetragen haben, kümmerten sich die sich in Auflösung befindlichen oder neu entstehenden Institutionen nicht allzu sehr um die Sicherung und Interpretation von archivierten Dokumenten, die aus dem betreffenden Zeitraum stammen[2]. Gewisse Schlüsselereignisse im Hinblick auf die Gefängnisbedingungen und die Schicksale der Gefangenen in den kommunistischen Arbeitslagern wurden von schriftlichen Quellen (möglicherweise absichtlich) überhaupt nicht erfasst. Zur Schließung dieser Lücke können die von uns erfassten Erinnerungen und Lebensgeschichten von Menschen beitragen, die direkt an diesen Ereignissen beteiligt waren, somit können sie die Palette der authentischen Erinnerungen an diese brisante Zeit erweitern.

 

In all den hier publizierten Fällen handelt es sich um die spontane Erzählung einer Lebensgeschichte, die eine subjektive Rekonstruktion der Geschichte aus der Sicht des Erzählers (= Zeitzeugen) und dessen Position in der Vergangenheit darstellt[3]. Anknüpfend an den erfassten Inhalt erfolgt in der Regel eine zweite oder dritte Sitzung mit dem Erzähler in Form eines gezielten thematischen Interviews, das von der vorangehenden Forschung und einer fachkundigen Vorbereitung  ausgeht. Die redaktionell bearbeiteten Transkriptionen der hier veröffentlichten Interviews stellen keine wortwörtliche Transkription dar, sondern versuchen vor allem, den genauen Sinn und den Inhalt des Interviews sowie die stilistischen und sprachlichen Spezifika des Erzählers widerzugeben[4]. Enttäuscht werden diejenigen, die auf diesen Seiten „objektive“ Geschichtsschreibung zu finden hoffen (sofern eine solche überhaupt denkbar ist). In den Interviews und den damit zusammenhängenden Dokumenten kann man eine subjektive Interpretation der geschichtlichen Ereignisse finden, jedoch keine „historische Wahrheit“.

 

Alle vorliegenden Interviews wurden mit Zustimmung der Erzähler aufgenommen und bearbeitet. Die Endversion der Interviews, die Sie hier auf unseren Seiten sehen, wurde von den Erzählern auch autorisiert. Dadurch unterscheiden wir uns (manchmal grundsätzlich) von ähnlichen Initiativen im tschechischen Internet. Die Originale der Tonaufnahmen und die wortwörtlichen Transkriptionen der aufgenommenen Interviews stehen Interessenten im Studierraum von Centrum orální historie při Ústavu pro soudobé dějiny AV ČR v.v.i. [Zentrum für Oral History am Institut für Zeitgeschichte der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, öffentliche Forschungsinstitution] zur Verfügung.

 

Wir meinen, dass die vorliegenden Aufnahmen aufgrund ihres Inhalts bestätigen, dass die gesprochenen Lebensgeschichten das einzige Zeugnis über den Zeitraum der 50er Jahre und der individuellen Erlebnisse der direkt Beteiligten sind. Dennoch geben die vorliegenden Interviews nicht unbedingt die Meinung der Befragenden wider, welche die Gespräche aufgenommen und bearbeitet haben. Wir bekennen uns zur interaktiven Anfertigung von Interviews im Einklang mit dem Ethik-Kodex der Česká asociace orální historie [Tschechische Assoziation für Oral History] und wir lehnen Sensationen und eine Medialisierung für Boulevardmedien von aus dem Kontext gerissenen Informationen ab.

 

(tb, ml)



[1] VANĚK, M.; MÜCKE P.; PELIKÁNOVÁ, H., Naslouchat hlasům paměti. Teoretické a praktické aspekty orální historie [Den Stimmen des Gedächtnisses zuhören. Theoretische und praktische Aspekte der Oral History], Praha: Ústav pro soudobé dějiny AV ČR [Prag: Institut für Zeitgeschichte der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik], 2007, S. 11.

[2] Siehe Homepage der Česká asociace orální historie [Tschechische Assoziation für Oral History], Rubrik “Orální historie”, http://www.oralhistory.cz/.

[3] GYÖRGYI-ELISABETH, Bindorffer. Transmission and preservation of memory in ethnic minority context: Traditions, oral history and cultural memory. Memory and Globalization: Presentations of the XIII Oral history Conference [online]. 2004 [zit. 2007-0-18]. Zugänglich im WWW: S. 3.

[4] VANĚK, Miroslav: Orální historie ve výzkumu soudobých dějin [Oral History in der Zeitgeschichtsforschung]. Praha: Centrum orální historie AV ČR [Zentrum für Oral History der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik], 2004, S. 115.

 
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